Mehr Komfort und Federung durch Ballonreifen?!

Fotolia_124695721_XSNeue Trends machen auch vor der Fahrradbranche keinen Halt. Nun gilt es zu unterscheiden ob ein neuer Stil auch sinnvoll ist oder nur optische Bedürfnisse anspricht. Mithilfe von Forschung und Entwicklung hat der Ballonreifen in den letzten Jahren eine Wandlung erleben dürfen. Lange Zeit war die Optik beim Kauf von Fahrradreifen entscheidend, dünne Reifen galten als schick und besonders sportlich. Dickere Reifen wurden als schwerfällig und langsam empfunden. Untersuchungen haben allerdings ergeben, dass diese Annahme so nicht korrekt ist. Hinzu kommt die stetige Weiterentwicklung immer besserer Gummimischungen. Doch um eine genaue Beurteilung abgeben zu können muss das Zweirad als Ganzes betrachtet werden. Auch das Nutzungsprofil des Fahrers ist für eine Beurteilung von Pro und Kontra entscheidend.

Die hervorragenden Dämpfeigenschaften von großvolumigen Pneus sind unumstritten. Kleine Bodenunebenheiten können problemlos ausgeglichen werden, Vibrationen am Lenker werden reduziert. Das erhöht die Flexibilität in der Auswahl des gewünschten Terrains, Waldwege, Kopfsteinpflaster und andere Beläge sind gut zu meistern ohne den gewünschten Fahrkomfort einbüßen zu müssen. Der Luftdruck eines Ballonreifens kann zudem ziemlich variabel gestaltet werden, so dass der Fahrer je nach Bedarf zwischen komfortabel oder sportlich straff wechseln kann ohne die guten Rolleigenschaften zu verlieren. Damit sind die dicken Schlappen sogar vielen Federgabeln überlegen. Diese können ihre Dämpfeigenschaften zumeist nur in den höheren Preiskategorien ausspielen. Und auch nur wenn sie perfekt eingestellt sind. Hinzu kommen ein höherer Anschaffungspreis für eine Vollfederung, der übliche Verschleiß sowie eine aufwändigere Wartung der vielen kleinen, beweglichen Teilchen. Da Einstellung und Wartung nicht immer selbst vorgenommen werden können, muss oftmals noch eine Fachwerkstatt aufgesucht werden. Der Kosten-Leistungs-Vorteil für Alltagsfahrer liegt hier also eindeutig bei den dicken Reifen (MTBs ausgenommen). Weitere Vorteile für die Ballonreifen ergeben sich beim Pannenschutz und bei den Rolleigenschaften. Bei gleichen Voraussetzungen (Gummimischung, Luftdruck, etc.) läuft ein dicker Reifen leichter als ein dünner Reifen. Fremdkörper können nur weitaus schwerer in das dicke Gummi eindringen. Zudem haben Ballonreifen eine größere Tragfähigkeit und weniger Luftdruckverlust. Das erhöht die für viele Radler wichtige Langlebigkeit.

Alles in Allem bieten großvolumige Reifen eine Menge Vorteile. Doch wo aber liegen eventuelle Nachteile? Auch wenn alle Komponenten und auch Gummimischungen stetig weiterentwickelt und immer leichter werden bringen die dicken Pneus trotz allem natürlich mehr Gewicht auf die Waage als ein dünner Reifen. Die extreme Breite sorgt zudem für einen höheren Luftwiderstand. Der entscheidende Faktor liegt allerdings in der Geometrie des jeweiligen Bikes: Nicht alle Fahrräder sind für Ballonreifen geeignet und können umgerüstet werden. Hier sind zum Einen für sichere Kurvenfahrten eine ausreichend breite Felge zu beachten, zum Anderen aber zunächst ein passender Fahrradrahmen sowie die Gabelgeometrie, damit der breite Reifen überhaupt hinein passt.

Wenn Ihr Fahrrad für Ballonreifen geeignet ist steht einer Umrüstung nichts mehr im Wege. An dieser Stelle gilt es nun noch das Nutzungsprofil eines jeden Fahrers zu betrachten. Trotz der vielen Vorteile müssen Ballonreifen nicht für jeden Biker geeignet sein. Sportfahrern (Rennradfahrern) dürften im Kampf um jede Minute das etwas höhere Eigengewicht und der höhere Luftwiderstand nicht gefallen. Für Gelegenheits- und Alltagsfahrer aber sind vor allem Komfort, Langlebigkeit und Pannenschutz entscheidend. In dieser Hinsicht haben die dicken Reifen bestechende Vorteile.

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