Nach einem Sturz mit dem Fahrrad den Lenker wechseln?

nach-einem-sturz-mit-dem-fahrrad-den-lenker-wechselnViele Montagen und Reparaturen am Fahrrad lassen sich mit ein bisschen handwerklichem Verständnis und Geschick selbst durchführen. Reifendruck prüfen, Sattel einstellen, regelmäßige Wartung (ölen und schmieren) sowie kleinere Montagen gehören zu den Basics eines Fahrradfahrers mit Heimwerkstatt. Vielen Ersatzteilen liegt eine gute und ausführliche Montageanleitung bei, so dass auch etwas größere Einbauten selbst von Laien gut bewerkstelligt werden können. Zu einem fachgerechten Aufbau gehört allerdings nicht nur die rein technische Komponente, sondern auch ein gewissen Maß an Materialkunde. Die meisten handelsüblichen Fahrradlenker bestehen heutzutage aus Aluminium. Einen Fahrradlenker selbst an seinem Bike zu montieren gelingt oftmals den meisten Bikern. Doch auch wenn der Lenker „dran“ ist und „hält“, kann es sein, dass bei der Montage Fehler aufgetreten sind, die sich erst später bemerkbar machen. Ein häufiger Fehler kann bei den Befestigungsschrauben liegen. Tendenziell werden diese zu fest angezogen, zumindest wenn kein Drehmomentschlüssel verwendet wird. Hierzu gibt es spezielle Herstellervorgaben in der Gebrauchsanweisung die unbedingt beachtet werden sollten. Anderenfalls kann eine zu fest angezogene Schraube Einschnürungen im empfindlichen Aluminium verursachen. Diese können mit der Zeit zu einem unvorhergesehenen Lenkerbruch und somit zu schweren Unfällen führen. Einen ähnlichen Effekt kann zum Beispiel auch ein unpassender Lenkervorbau verursachen. Eine minimale Abweichung beim Durchmesser kann hier schon ausreichend sein. Auch scharfe Kanten können einen Materialschaden am Aluminium des Fahrradlenkers verursachen. Durch dauerhafte Belastungen, besonders auf unebenen Strecken, kann es dann mit der Zeit zu den erwähnten Risiken kommen. Zudem sollten verschiedene Materialien nicht miteinander kombiniert werden. Ein Alu-Lenker gehört nicht an einen Vorbau aus Stahl. Beide Materialien unterscheiden sich unter anderem in ihrem Ausdehnungsverhältnis bei Wärme, und zwar in einem nicht unerheblichen Maß von 1:2. So kann es auch trotz korrekter Montage und richtig angezogener Schrauben zu Materialeinschnürungen und schließlich zum Bruch kommen.

Ein weiteres mögliches Problem kann auch das Material an sich darstellen. Aluminium ist nicht gleich Aluminium. Es gibt, wie in vielen anderen Bereichen auch, enorme Qualitätsunterschiede, die sich sowohl im Preis aber auch in der Haltbarkeit des Produktes niederschlagen. Sehr günstige Alu-Lenker bieten meist nicht die Belastbarkeit, die ein höherwertiges Produkt liefern kann. Hier steigt parallel zur Belastung auch das Bruchrisiko. Generell ist aber das „Haltbarkeitsdatum“ eines Fahrradlenkers aus Aluminium zu beachten. Diese Regel ist den wenigsten Bikern bekannt: ein Austausch des Lenkers sollte, auch gemäß den meisten Herstellerangaben, spätestens nach fünf Jahren, oft auch schon nach zwei Jahren, erfolgen, egal ob eine Beschädigung vorhanden ist oder nicht. Das Risiko eines Unfalls durch Lenkerbruch steigt nach einer gewissen Zeit durch Materialermüdung enorm. Natürlich ist dieses Intervall eine Vorsichtsmaßnahme. Ist der Lenker korrekt montiert und ohne Mängel, müssen für einen Bruch natürlich verschiedene Faktoren zusammenkommen. Fahrstil, Sitzposition oder Materialdicke können hier ebenfalls entscheidend sein. Oftmals führt eine Kombination aus mehreren Faktoren zum Bruch. Fakt ist aber: Wann es soweit ist, ist nicht vorhersehbar.

Nach einem Sturz können Sie beinahe fest davon ausgehen, dass Ihr Alu-Lenker nicht ungeschoren davongekommen ist. Eine vorangegangene Beschädigung ist der häufigste Auslöser für einen späteren Lenkerbruch. Folgerichtig sollten Sie sich so schnell wie möglich um Ersatz bemühen, um Schlimmeres zu verhindern. Denn schließlich sollte das Fahrradfahren, die Tour oder die Urlaubsreise ein möglichst unbeschwertes, risikominimiertes Erlebnis bleiben und Ihr Bike, ein zuverlässiger und sicherer Partner im Alltag.

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