Die richtige Anwendung eines Messschiebers

Fotolia_114170930_XSDer Messschieber gehört zu den wichtigsten Werkzeugen überhaupt und sollte einen festen Platz in jeder gut sortierten Heimwerkstatt haben. Manchmal wird der Messschieber auch Schieblehre, Schublehre oder Kaliber genannt. Er wird zumeist aus rostfreiem, gehärtetem Stahl gefertigt. Es gibt ihn aber auch aus einfachem Stahl, Messing oder glasfaserverstärktem Kunststoff.

Dieses Handmessgerät mit Skala dient der genauen Vermessung von Durchmessern und Längen sowie der Bestimmung verschiedenster Innen- und Außenmaße. Es besteht im Wesentlichen aus einer längeren Stange, an deren Kopfende zwei unbewegliche Schenkel angebracht sind (ein größerer Schenkel und ein kleinerer Schenkel). Auf der Stange ist ein beweglicher Schieber (= variabler Schenkel) angebracht, an dem sich ebenfalls zwei Messschenkel befinden. Mit der Feststellvorrichtung sorgen Sie dafür, dass der Schieber nicht mehr verrutschen kann. Die mögliche Ungenauigkeit eines Messschiebers liegt etwa bei 0,01 bis 0,2 mm.

Eines vorweg: Auch wenn die Benutzung des Messschiebers fast selbsterklärend ist, verwenden einige Hobbyschrauber das Werkzeug nicht immer ganz korrekt, bzw. unterschätzen den Einfluss verschiedener Faktoren auf die Genauigkeit. Wir erläutern Ihnen nachfolgend wie Sie den Messschieber bei verschiedenen Maßen korrekt benutzen.

1) Das Innenmaß mit dem Messschieber messen

Zur Bestimmung des Innenmaßes von hohlen Gegenständen werden die beiden kleinen Messschenkel verwendet. Diese müssen zusammengeschoben in die Öffnung des zu messenden Gegenstands gesteckt werden. Anschließend ziehen Sie die Schenkel bis zum Kontakt auf, dann können Sie Ihren Messwert ablesen.

2) Das Außenmaß mit dem Messschieber bestimmen

Um den äußeren Umfang zu messen verwenden Sie die beiden größeren Schenkel. Schieben Sie diese ausreichend weit auf, legen Sie den Gegenstand dazwischen und schieben Sie die Messschenkel dann, ohne größeren Kraftaufwand, wieder zusammen. Achten Sie auf eine gute Auflagefläche der Schenkel und verwenden Sie nicht nur die Spitze.

3) Das Tiefenmaß mit dem Messschieber bestimmen

Am Ende der langen Stange befindet sich eine kleine, dünnere Erweiterung. Hiermit können Sie das Tiefenmaß von Löchern oder nicht durchgehenden Bohrungen bestimmen. Stecken Sie die Erweiterung bis zum Bodenkontakt in das zu messende Objekt und ziehen Sie anschließend den Schieber bis zum Kontakt herunter. Wenn Sie die Erweiterung nun wieder rausnehmen können Sie dort den Messwert an der vorhandenen Skala ablesen.

Diese drei Punkte sind den meisten Amateurtüftlern noch bekannt. Wenn Sie aber sehr genaue Werte im Bereich von Zehntelmillimetern benötigen, gilt es eine Reihe weiterer Faktoren zu beachten:

  • Sorgen Sie dafür, dass der Messschieber und das zu messende Objekt sauber und gratfrei sind.
  • Beachten Sie die Referenztemperatur von 20°C.
  • Sorgen Sie für optimale Lichtverhältnisse.
  • Der Messvorgang darf nicht unter ausgeprägtem Kraftaufwand erfolgen.
  • Ein häufiger Fehler: Die Messschenkel müssen immer schön bündig an der Objektoberfläche anliegen. Wenn Sie nur die Spitze der Schenkel zum Messen verwenden wird es schnell ungenau. Der Messchieber darf nicht schräg angesetzt oder schräg abgelesen werden, sonst drohen sogenannte Kippfehler, die einen ungenauen Wert verursachen.

Ablesen der Noniusskala zur Ermittlung von Zehntelmillimetern

Auf der langen Stange des Messschiebers befindet sich die Hauptskala mit ihrer Einteilung in Zentimetern, beziehungsweise Millimetern. Die Noniusskala dient zum Ablesen der Zehntelmillimeter. Sie befindet sich auf dem Schieber und ist für gewöhnlich in 0,5-Schritten von 0 bis 9 unterteilt.

Lesen Sie Ihren Millimeterwert zunächst auf der Hauptskala ab, der Nonius zeigt an dieser Stelle den Wert 0. Manchmal steht diese 0-Markierung des Nonius nicht genau einer Millimeter-Markierung auf der Hauptskala gegenüber. In diesem Fall können Sie dann die Kommastellen auf dem Nonius ablesen.

Beispiel: Sie lesen auf der Haupskala einen Wert zwischen 22 und 23 Millimetern ab. Zur genauen Bestimmung betrachten Sie die Noniusskala. Die Markierung der 0 befindet sich in diesem Fall ebenfalls nicht vollkommen exakt unter einer Millimeter-Markierung. Betrachten Sie nun die Noniusskala: Die erste Markierung (0 bis 9), die exakt mit einer Markierung der Hauptskala übereinstimmt, stellt Ihre Kommazahl dar. Angenommen die 6-Markierung der Noniusskala trifft genau auf eine Millimeter-Markierung der Hauptskala, dann beträgt Ihr exakter Messwert 22,6 mm.

Bei einem Messschieber mit digitaler Anzeige können Sie sich diesen Weg der Bestimmung sparen. Hier können Sie Ihren genauen Wert ganz einfach auf dem Display ablesen.