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Fahrradfelgen: gelocht, schräg gebohrt, geöst oder mit Unterlegscheiben

 

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Unterschiede, technische Hintergründe sowie Vor- und Nachteile

Die Felge ist ein zentraler Bestandteil des Laufrads. Sie trägt Reifen, Schlauch bzw. Tubeless-System und nimmt über die Speichen die gesamte Vorspannung sowie die beim Fahren auftretenden Belastungen auf. Besonders kritisch ist dabei der Bereich um die Speichenlöcher, da hier hohe Zugkräfte, wechselnde Lasten und ungünstige Winkel zusammenkommen.

Genau an dieser Stelle unterscheiden sich Felgenkonstruktionen deutlich. Begriffe wie gelocht, schräg gebohrt, geöst oder doppelt geöst werden jedoch häufig falsch verstanden oder gleichgesetzt. Ein weit verbreiteter Irrtum ist zudem, dass „geöst“ automatisch stabiler bedeutet. In der Praxis ist das so nicht korrekt.

Gelochte Felgen (ungeöst)

Bei gelochten Felgen sitzen die Speichennippel direkt auf dem Material des Felgenbodens. Es kommen keine Ösen oder zusätzlichen Verstärkungen zum Einsatz.

  • einfache, kostengünstige Bauweise
  • geringes Gewicht
  • hohe Anforderungen an Felgenmaterial und Wandstärke
  • direkte Kontaktfläche zwischen Speichennippel und Felge

Praxis-Hinweis:
Gerade im Wintereinsatz (Feuchtigkeit, Streusalz) kann es an dieser Kontaktfläche zu Kontaktkorrosion kommen, insbesondere bei hohen Speichenspannungen und längeren Standzeiten. Gelochte Felgen können dennoch sehr haltbar sein, wenn Material, Auslegung und Aufbau zusammenpassen.

Gepunzt vs. schräg gebohrt – ein häufiges Missverständnis

Gepunzte Felgen

Gepunzt bedeutet, dass das Speichenloch nachträglich plastisch verformt wird, um den Nippelsitz an den Speichenwinkel anzupassen. Diese Technik ist heute selten, da sie aufwendig ist und moderne Alternativen existieren.

Schräg gebohrte Felgen

Schräg gebohrt heißt, dass das Speichenloch bereits beim Bohren im passenden Winkel zur Nabe gesetzt wird. Dies wird häufig fälschlich als „gepunzt“ bezeichnet, ist technisch jedoch etwas anderes. Ein bekanntes Beispiel sind Felgen aus der Ryde Andra-Serie.

  • geringere Biegekräfte auf Speiche und Nippel
  • sauberer Kraftverlauf
  • geringere Materialermüdung im Bereich der Speichenlöcher

Technische Einordnung:
Schräg gebohrt verändert ausschließlich den Bohrwinkel. Die Kontaktfläche zwischen Speichennippel und Felge bleibt vollständig bestehen. Auch schräg gebohrte Felgen sind daher anfällig für Kontaktkorrosion und im Wintereinsatz kritisch – genau wie ungeöste Felgen.

Technische Einordnung:
Schräg gebohrte Felgen sind häufig etwas schwerer, da der Felgenboden stabiler und dicker ausgeführt werden muss, um die schrägen Bohrungen dauerhaft spannungsfest aufzunehmen.

Einfach geöste Felgen

Bei einfach geösten Felgen ist das Speichenloch mit einer Metallöse versehen, auf der der Nippel aufliegt.

  • besserer Nippelsitz
  • geringere lokale Reibung
  • gleichmäßigere Lastverteilung im Kontaktbereich

Technische Einordnung:
Für die Öse muss Material aus dem Felgenboden entfernt werden. Der Felgenboden wird dadurch lokal geschwächt. Ein Winkelausgleich zwischen Speiche und Nippel findet nicht statt. Ösen verbessern den Sitz, nicht automatisch die strukturelle Stabilität der Felge.

Doppelt geöste Felgen

Bei doppelt geösten Felgen stützen sich die Ösen auf beiden Felgenböden einer Hohlkammerfelge ab.

Technische Einordnung:
Doppelte Ösen erfordern größere Bohrungen, erhöhen das Gewicht und erzwingen einen geraden Nippelsitz, obwohl die Speichen schräg verlaufen. Dadurch entstehen zusätzliche Biegespannungen. Doppelt geöst ist daher nicht automatisch stabiler.

Felgen mit Unterlegscheiben (U-Scheiben)

Unterlegscheiben vergrößern die lastaufnehmende Fläche zwischen Nippel und Felge, ohne Material aus dem Felgenboden zu entfernen.

  • keine Schwächung des Felgenbodens
  • sehr gute Lastverteilung
  • Ausgleich von Speichenwinkeln möglich
  • keine direkte Kontaktfläche zwischen Nippel und Felge – keine Kontaktkorrosion

Viele hochwertige Felgen – etwa aus den Serien XR, XM, EX und HX von DT Swiss (FR560 ausgenommen) – sind konstruktiv auf den Einsatz von Unterlegscheiben ausgelegt. Alle KX-Felgen werden bei Kurbelix grundsätzlich mit Unterlegscheiben eingespeicht.

Praxis-Hinweis:
Unterlegscheiben machen den Aufbau aufwendiger. Wir setzen sie dennoch bewusst ein, weil das Ergebnis langlebiger und spannungsärmer ist.

Entscheidungshilfe: Felgenausführungen im technischen Vergleich

Felgenausführung Vorteile Nachteile Kurbelix-Bewertung
Gelocht (ungeöst) günstig, simpel, leicht hohe Anforderungen an Felgenmaterial; direkte Kontaktfläche Nippel/Felge → Kontaktkorrosion möglich; Wintereinsatz kritisch sinnvoll für preisorientierte Nutzer bei moderater Belastung
Schräg gebohrt optimaler Speichenwinkel; geringere Biegekräfte; ruhigerer Nippellauf Felgenboden meist dicker → etwas schwerer; direkte Kontaktfläche Nippel/Felge → Kontaktkorrosion möglich; Wintereinsatz kritisch sehr empfehlenswert, wenn Stabilität wichtiger ist als Gewicht
Einfach geöst besserer Nippelsitz; geringere lokale Reibung Material wird ausgebohrt → Felgenboden geschwächt; kein Winkelausgleich; Korrosionsschutz nur bedingt situationsabhängig – kein Stabilitätsgarant
Doppelt geöst besserer Nippelsitz; Abstützung auf beide Felgenböden größere Bohrungen; höheres Gewicht; gerader Nippelsitz bei schräger Speiche → zusätzliche Biegespannung nicht automatisch stabiler – kritisch im Gesamtsystem bewerten
Mit Unterlegscheiben (U-Scheiben) keine Materialschwächung; sehr gute Lastverteilung; keine Kontaktkorrosion; Winkelausgleich möglich aufwendiger Aufbau (arbeitsintensiver beim Einspeichen) technisch oft die beste Lösung – deshalb setzen wir sie bewusst ein

Fazit aus der Kurbelix-Werkstatt

Die Stabilität eines Laufrads entsteht nicht durch eine einzelne Felgeneigenschaft, sondern durch das Zusammenspiel aus Felge, Speichen, Nippeln, Einspeichmuster und Speichenspannung.

Hinweis aus der Werkstatt:
„Geöst“ oder „doppelt geöst“ ist kein Qualitätsurteil. Entscheidend ist, wie sauber die Kräfte in den Felgenboden eingeleitet werden und wie dauerhaft die Konstruktion Belastung, Witterung und Zeit standhält.

Genau deshalb setzen wir bei Kurbelix bevorzugt auf schräg gebohrte Felgen, hochwertige ungeöste Felgen mit stabilem Felgenboden und den konsequenten Einsatz von Unterlegscheiben – auch wenn der Aufbau aufwendiger ist.

Wenn noch Fragen offen sind oder Sie unsicher sind, melden Sie sich jederzeit gern – wir kümmern uns darum.

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